Kurz gesagt: Rechtsformen lassen sich in drei Familien ordnen: Einzelunternehmen (einfach und ohne Mindestkapital, aber mit voller persönlicher Haftung), Personengesellschaften wie GbR, OHG oder KG (gemeinsam, meist ebenfalls persönliche Haftung) und Kapitalgesellschaften wie UG, GmbH oder AG (Haftungsbeschränkung gegen Stammkapital und mehr Aufwand). In Deutschland reicht die Spanne von der UG ab 1 € über die GmbH mit 25.000 € bis zur AG mit 50.000 €; Österreich hat das GmbH-Kapital 2024 auf 10.000 € gesenkt, in der Schweiz sind es 20.000 CHF. International hat fast jedes Land eine GmbH-artige Form – nur mit anderem Namen und Kapital. Als Faustregel gilt: solo klein starten, bei Haftungsrisiko oder Wachstum zur Kapitalgesellschaft wechseln – und die Gründung immer mit Notar:in und Steuerberatung klären.
Unternehmensformen im Überblick – welche Rechtsform passt?
Kontoo-Redaktion · Aktualisiert am 14.07.2026 · zuletzt geprüft 14.07.2026 · 6 Min. Lesezeit
„Soll ich ein Gewerbe anmelden oder gleich eine GmbH gründen?“ – diese Frage stellt sich fast jede:r, der oder die etwas Eigenes aufbaut. Die gute Nachricht: Hinter den vielen Kürzeln steckt ein überschaubares System aus drei Familien, und die Wahl folgt vor allem einer Frage – wie viel persönliche Haftung willst du tragen, und wie viel Kapital und Aufwand bist du bereit, dafür einzusetzen? Dieser Überblick sortiert die Rechtsformen im deutschsprachigen Raum und international.
Denk in drei Familien. Einzelunternehmen, Personengesellschaft und Kapitalgesellschaft – dahinter steht immer derselbe Handel: Haftung gegen Kapital und Aufwand.
Einzelunternehmen: einfach und günstig, aber volle Haftung. Kein Mindestkapital, wenig Formalien – dafür haftest du persönlich und unbeschränkt mit deinem gesamten Privatvermögen (in Deutschland als Kleingewerbe oder e.K.).
Personengesellschaft: gemeinsam gründen. GbR und OHG entstehen ohne Mindestkapital, hier haften die Gesellschafter persönlich und gesamtschuldnerisch; bei der KG haftet nur der Komplementär voll, der Kommanditist bloß mit seiner Einlage.
Kapitalgesellschaft: Haftungsschutz gegen Kapital. UG ab 1 €, GmbH mit 25.000 € (mindestens 12.500 € eingezahlt), AG mit 50.000 € – die Haftung ist aufs Gesellschaftsvermögen beschränkt, dafür steigen Aufwand und laufende Kosten.
Der Wechsel ist möglich. Viele starten als Einzelunternehmen oder UG und wandeln später in eine GmbH um, wenn das Geschäft trägt – du musst dich nicht ein für alle Mal festlegen.
Immer mit Notar:in und Steuerberatung. Kapitalgesellschaften brauchen in der Regel eine notarielle Gründung und einen Handels- bzw. Firmenregister-Eintrag; jedes Land hat eigene Regeln, also hol dir Gründungsberatung, bevor du unterschreibst.
Haftungsschutz gibt es nur gegen mehr Kapital und Aufwand – die Grundregel jeder Rechtsform.
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Im Detail
Die drei Familien – und der eine Trade-off
In fast jedem Land lassen sich Rechtsformen in drei Familien einordnen, und dahinter steht immer derselbe Handel: Haftung gegen Kapital und Aufwand. Das Einzelunternehmen (in Deutschland als Kleingewerbe oder e.K.) ist am schnellsten und günstigsten – kein Mindestkapital, wenig Formalien. Der Preis: Du haftest persönlich und unbeschränkt mit deinem gesamten Privatvermögen. Die Personengesellschaft bündelt mehrere Gründer:innen. Die GbR entsteht formlos ab zwei Personen, die OHG ist ihre kaufmännische Variante – in beiden haften die Gesellschafter persönlich, unbeschränkt und gesamtschuldnerisch. Die KG mischt: Der Komplementär haftet voll, der Kommanditist nur mit seiner Einlage. Die Kapitalgesellschaft dreht den Trade-off um: Gegen Stammkapital und mehr Aufwand bekommst du eine Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen. In Deutschland kostet die GmbH 25.000 Euro Stammkapital (mindestens 12.500 Euro eingezahlt), die UG startet schon ab 1 Euro, die AG verlangt 50.000 Euro. Mehr Schutz heißt fast immer mehr Kapital, mehr Buchhaltung und höhere laufende Kosten.
Marktvergleich – jedes Land hat seine GmbH
Auffällig ist, wie ähnlich sich die Länder sind: Fast überall gibt es eine haftungsbeschränkte Gesellschaft nach GmbH-Muster, nur unter anderem Namen und mit anderem Kapital. In Österreich wurde das GmbH-Mindestkapital zum 1. Januar 2024 von 35.000 auf 10.000 Euro gesenkt (mindestens 5.000 Euro bar); parallel gibt es neu die Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo) mit Stammeinlagen ab 1 Euro. In der Schweiz braucht die GmbH 20.000 CHF, die AG 100.000 CHF. Frankreich (SARL, SAS/SASU), die Niederlande (BV, Mindestkapital faktisch abgeschafft, ab 0,01 Euro), Spanien (SL, seit 2022 ab 1 statt 3.000 Euro), Italien (SRL mit 10.000 Euro bzw. die vereinfachte SRLS ab 1 Euro), Großbritannien (Ltd, kein Mindestkapital), Irland (LTD), Polen (sp. z o.o., 5.000 PLN, oder die junge PSA ab 1 PLN) und Portugal (Lda, 1 Euro je Gesellschafter) – überall dasselbe Prinzip. Der Trend der letzten Jahre: Das Mindestkapital sinkt, damit Gründen leichter wird.
Wie du wählst – klein starten, später wechseln
Eine gute Faustregel: Wer solo und im kleinen Rahmen startet, fährt mit dem Einzelunternehmen am einfachsten – kein Kapital, wenig Bürokratie, volle Kontrolle. Sobald echtes Haftungsrisiko dazukommt, du Investoren aufnehmen oder stärker wachsen willst, spricht vieles für eine Kapitalgesellschaft. Der Wechsel ist ausdrücklich möglich: Viele beginnen als Einzelunternehmen oder UG und wandeln später in eine GmbH um, wenn das Geschäft trägt. Wichtig ist, die Zahlen im Blick zu behalten – nicht nur das Gründungskapital, sondern auch die laufenden Kosten für Buchhaltung, Beratung und Jahresabschluss, die mit der Rechtsform steigen. Und weil jedes Land eigene Regeln hat und Details wie Einzahlungsquoten, Rücklagen oder Registerpflichten sich unterscheiden, gehört die Entscheidung nicht allein ins Bauchgefühl: Zieh für die Gründung – besonders bei Kapitalgesellschaften, die häufig eine notarielle Beurkundung brauchen – eine Notar:in, eine Steuerberatung und die Gründungsberatung deiner Kammer hinzu.
Bildung, keine Beratung. Wie wir arbeiten und Zahlen prüfen: Redaktion. Angaben mit Stand 2026, zuletzt geprüft 14.07.2026.
Häufige Fragen
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen den Rechtsformen?
Die Haftung. Bei Einzelunternehmen und den meisten Personengesellschaften haftest du persönlich und unbeschränkt mit deinem Privatvermögen, bei Kapitalgesellschaften ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Diesen Schutz erkaufst du dir mit Stammkapital und mehr Aufwand.
Wie viel Stammkapital braucht eine GmbH?
In Deutschland 25.000 Euro, davon mindestens 12.500 Euro bei der Anmeldung eingezahlt. Österreich hat das Mindestkapital zum 1. Januar 2024 auf 10.000 Euro gesenkt (mindestens 5.000 Euro bar), in der Schweiz sind es 20.000 CHF, voll einzuzahlen.
Kann ich wirklich mit einem Euro gründen?
In einigen haftungsbeschränkten Formen ja: die deutsche UG startet ab 1 Euro, ebenso die spanische SL (seit 2022), die französische SARL/SAS, die italienische SRLS und die polnische PSA (ab 1 PLN). In den Niederlanden ist das Mindestkapital der BV faktisch abgeschafft. Meist gelten dann aber Rücklagepflichten, bis ein höherer Betrag erreicht ist.
Was ist eine GmbH & Co. KG?
Eine KG, bei der eine GmbH die Rolle des voll haftenden Komplementärs übernimmt. So haftet keine natürliche Person unbeschränkt, im Ergebnis ist die Haftung beschränkt. Die Komplementär-GmbH braucht dafür ihr eigenes Stammkapital von 25.000 Euro.
Gibt es die GmbH auch im Ausland?
Fast überall – nur unter anderem Namen. In Frankreich heißt sie SARL oder SAS, in den Niederlanden BV, in Spanien SL, in Italien SRL, in Großbritannien und Irland Ltd, in Polen sp. z o.o. und in Portugal Lda. Das Prinzip der Haftungsbeschränkung ist überall dasselbe, nur Kapital und Formalien unterscheiden sich.
Brauche ich für die Gründung eine Notar:in?
Für Kapitalgesellschaften wie GmbH, UG oder AG in Deutschland in der Regel ja – sie werden notariell beurkundet und ins Handels- bzw. Firmenregister eingetragen. Einzelunternehmen und die GbR gehen meist ohne Notar:in, und in manchen Ländern (etwa der britischen oder irischen Ltd) läuft die Gründung ohne notarielle Beurkundung. Für die konkrete Wahl und die Steuerfolgen sind eine Steuerberatung und die Gründungsberatung deiner Kammer die richtigen Ansprechpartner.
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